Für den Panelnachbau der Me 163 B V 18 habe ich etwa 6
Monate gebraucht. Von der Idee , zur Instrumentenbeschaffung und schliesslich
bis zur Vollendung. Am Anfang stand die Idee ein Instrumentenbrett der Me
163 B ( Einsatzmaschine ) zu bauen. Dies aus einfachem Grund, die Beschaffung
der Instrumentierung würde einfacher zu realisieren sein. Die Instrumentenbretter
der V-Musterversionen hatten diverse Spezialinstrumentierungen. Obwohl auch
die Instrumentierung der Einsatzmaschine eine hohe Herausforderung darstellt.
Die seltenen Spezialinstrumente für den Raketenjäger sind immerhin
super selten und absolut gesuchte Ware. Ein gutes Beispiel dafür ist
der elektrische Drehzahlanzeiger, Fl
20265, mit einer Anzeigenskala in U/min in % !
Oder das ebenso seltenen Variometer, Fl
22385, mit einem Anzeigebereich von +/- 150 m/s,
für Flugzeuge mit extrem großer Steigrate.
Da die Einsatzmaschinen aufgrund der Kriegslage und der Ressourcenknappheit
nur sporadisch mit den nötigsten Instrumenten Ausgestattet waren, kam
ich auf die Idee eine Versuchsmusterversion zu bauen. V-Muster sind von der
Instrumentierung her oftmals viel interessanter und vielseitiger ausgestattet.
Die V-Mustervarianten der Me 163 wurden mit Spezialinstrumente ausgerüstet,
um diverse Versuche und Tests mit den Maschinen auszuführen. Ein Beispiel
dafür ist der Beschleunigungsmesser, Fl
22802 (Messbereich: -4 /+ 8 g). Dieses Gerät
wurde auch in anderen V -Mustern der Luftwaffe eingesetzt. Der seltene elektrische
Verbrauchszähler, Fl
20815 ( für Raketentreibstoff ), ist hingegen
nur bei der Me 163 zum Einsatz gekommen. Da ich diesen Verbrauchszähler,
mit viel Glück, Eintauschen konnte, hatte ich mich entschlossen das Instrumentenbrett
der V-18 zu bauen. Das Vorbild, als Original dazu, fand ich im Deutschen Museum
in München. Die dortige Me 163 wurde mit Hilfe ehemaliger Messerschmitt-Mitarbeitern
aufwendig restauriert. Im Instrumentenbrett der Museumsmaschine ist aber ein
Beschleunigungsmesser anstelle des Verbrauchszählers eingebaut. Dies
ist eine mögliche Variante, anstelle des Verbrauchszählers, den
ich für meinen Nachbau gewählt habe.
Die Originalmaschine wurde zudem mit einem Hellmuth Walter Raketentriebwerk
"
HWK 109-509 A-2 " zur Erprobung ausgerüstet.
Dieses Triebwerk hatte neben der Hauptbrennkammer mit 1.700 kp Schub eine
zusätzliche Reisebrennkammer mit 300 kp Schub. Damit sollte die verfügbare
Brenndauer des Raketenmotors, nach Erreichen der Flughöhe von ca.10.000
m, auf 9 Minuten ausgedehnt werden. Die beiden ersten Aggregate, HWK 109-509
A-2, waren im Frühjahr 1944 verfügbar und wurden in die Me 163 B-0
V6 und V18 eingebaut und erfolgreich erprobt. Dies war die Grundlage zur Weiterentwicklung
von der Me 163 B zur Me 163 C. Daher habe ich bei meinem Nachbau 2 elektrische
Temperaturanzeiger Fl
20338 (300-1.000 °C) eingebaut. Je ein Gerät
für die Hauptbrenn- ,und Reisebrennkammer.
Das Instrumentenbrett
Folgende Feinheiten sind zu beachten.
Die V6 wurde mit Druckkabine ausgestattet, weshalb hier vermutlich noch ein
Kabinendruckmesser, Fl
22325, zur Messung des Kammerdruckes eingebaut
wurde.
Me 163 B V6

Das Instrumentenbrett ( Nachbau ) :
Folgende Feinheiten sind zu beachten.
- Der mittlere Teil ( Hauptbrett und Blindflug ) wurden aus 9 mm Buchensperrholz
gefertigt ( mehrschichtig, kreuzlagig verleimt).
- Die beiden Seitenteile bestehen aus 3 mm Aluminiumblech.
- Die Farbe wurde aus Deutschland bestellt bei Militaria Versand Emig (
www.kpemig.de
), Blaugrau Luftwaffen.
- Die Beschriftung auf dem Nachbau wurde, wie im Original, von Hand aufgebracht.
- Ebenso sind die zwei Temperaturanzeigen für die Gastemperaturmessung
der Hauptbrennkammer und der Reisebrennkammer vom Bordwart von Hand rot lackiert
worden. Der Flugzeugführer musste die Abgastemperatur stets im Auge behalten.
- Alles was im Notfall wichtig erschien, wurde mit roter Farbe gekennzeichnet
(rot = Not/ Brand).
- Oben über dem Instrumentenbrett befindet sich der Kabinendachnotabwurfhebel.
Dieser löste durch Kräftiges ziehen ( über einen Stahlseilzug
hinter dem Instrumentbrett ) 2 Bolzen, die das Kabinendach festhielten.
- Auf dem linken Gerätebrett befindet sich das Notausfahrventil für
die Kufe und der Notablasshahn für den Raketentreibstoff. Der Raketentreibstoff
konnte im Notfall, aus Öffnungen unterhalb der Treibstoffbehälter,
schnell abgelassen werden. Der Raketentreibstoff war für Flugzeugführer
und Flugzeug, aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung, überaus gefährlich
und absolut brisant.
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- Der Nothebel auf dem linken Gerätebrett war für die Schleppkupplung.
Diese diente dazu, im Schleppbetrieb mit einem Mutterflugzeug, die Schleppseilverbindung
schnell zu lösen. Schleppbetrieb wurde mit der Me 163 für die Schulung
neuer Flugzeugführer durchgeführt, oder um knappen Raketentreibstoff
bei Überführungen zu sparen.
- Das Instrumentenbrett des Nachbaus kann, wie beim Original, zur Wartung
aufgeklappt werden. Dafür müssen die zwei grossen Halteschrauben
(Schnellverschlussschrauben) ganz links im Hauptbrett herausgedreht werden.
Der Drehknopf für das FuG 16 (Frequenzausgleich) musste dazu aus dem
Blindflugbrett abgezogen werden.
- Verwirrend ist der Einbau eines 4-Lampengerätes, Fl
32526 , da die Me 163 B über gar kein richtiges
Fahrwerk verfügte, sondern mit einem Abwurffahrwerk (wie beim Segelflug)
für den Start, und eine hydraulisch, ausfahrbare Landekufe (Segelflugzeug)
ausgerüstet war. Es gibt dazu sehr widersprüchliche Angaben. Möglicherweise
hatte man einfach noch kein spezielles Anzeigegerät, welches dem Piloten
das Ausfahren der Kufe signalisierte. Obwohl dazu die Schauzeichen Nr.
19-6825-A1 eingebaut waren. Es wäre auch
möglich, dass damit der Ausfahrzustand des Hecksporns angezeigt wurde.
Dieses konnte bei der V18 und V6 gegenüber der herkömmlichen Me-163
B hydraulisch eingezogen werden. Diese Möglichkeit war auch beim Nachfolgebaumuster,
Me 163 C vorgesehen. Aber wie gesagt, das sind nur Vermutungen.
- Die beiden Leuchtanzeigen, oben rechts im Hauptinstrumentenbrett, sind für
die Mach - und Brandwarnung. Beide Anzeigen wurden von hinten mit zwei elektrischen
Lampen, Fl
32265 , beleuchtet. Die Machwarnung signalisierte
dem Flugzeugführer das Überschreiten der maximalen Geschwindigkeit.
Die zulässige Rumpfbelastung (Holzrumpf) der Me 163 B lag bei 900 km/h.
Dies wurde zusätzlich mit einer Markierung (weiss/rot/weiss) auf dem
Fahrtmesser (Fl
22241), durch den Bordwart gekennzeichnet. Obwohl
diese Marke sicherlich einige Male überschritten wurde. Man bedenke,
dass die „1.000 km/h Marke“, das erste Mal in der Geschichte,
mit einer Me 163 B, am 2.Oktober 1941 (in 3.600 m Höhe), durch den Flugzeugführer
Heinrich Dittmar, überschritten wurde. Die Brandwarnung signalisierte
das Überschreiten der zulässigen Abgastemperatur, was auf einen
eventuellen Triebwerksbrand hindeuten konnte.
- Die wichtigste Instrumentierung im Gerätebrett besteht aus Verbrauchszähler
(Fl
20815), Variometer(Fl
22385), Drehzahlanzeiger (Fl
20265), sowie den beiden Ofendruckmessern Fl.20521
(0-6 kg/cm² und 0-25 kg/cm²9. Beide Druckmesser gelten als Einheit,
und hatten deshalb die gleiche Nummernkennzeichnung (Fl.).
- Der Verbrauchszähler ist ein Überwachungsinstrument, zur Ermittlung
des durchschnittlichen Treibstoffverbrauchs. Das Gerät wurde sicherlich
nur in sehr geringer Stückzahl hergestellt. Nachdem der Raketenjäger
seine Endhöhe im extremen Steigflug erreicht hatte, und in den Horizontalflug
überging, wurde oftmals die Treibstoffzufuhr zum Raketentriebwerk unterbrochen,
was zu einem sofortigem Schubabbruch führte. Ein erneutes Anlassen des
Raketentriebwerkes konnte konstruktionsbedingt, erst nach 2-3 Minuten erfolgen.
Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass in den Einsatzmaschinen eine Borduhr
mit Stoppfunktion (BoUK-1) eingebaut war. Was aber auf den meisten, erhaltenen
Fotos nicht erkennbar ist.
- Das Variometer mit +/-150 m/s Anzeige, wurde ausschließlich für
die enorme Steigleistung der „ Komet “ gebaut. Die Me 163 erreichte
die Flughöhe von 9.150 m in zweieinhalb Minuten. Dies entspricht einer
Steigleistung von 81,6 m/s.
- Der Drehzahlanzeiger zeigte die Turbinendrehzahl der Gasturbine an, die
wiederum für die Beförderung des Raketentreibstoffes zum Raketentriebwerk
zuständig war. Die Anzeigenadel sollte die Optimalmarke von 100 % (weiss-rot-weiss
auf dem Instrument) normalerweise nicht überschreiten.
- Die beiden Ofendruckmesser haben den Abgasdruck im Bereich der Brennkammer
gemessen. Diese Instrumente sind äusserst selten, und eigentlich nicht
mehr zu bekommen. Daher wurden hier Nachbauten eingebaut.
- Über dem Instrumentenbrett ( original hinter der 9 cm Panzerglasscheibe
) war der Führerkompass FK 38 (Fl
23233) angebaut. Der Kompass wurde speziell für
das zugehörige Flugzeug kompensiert. Die Kursabweichungen vom Originalkurs
wurde, für den Flugzeugführer sichtbar, auf der Deviationstabelle
notiert. Die Deviationstabelle ist auf dem Panelnachbau zwischen den beiden
Schauzeichensätzen (Fahrwerksanzeige) und dem Kippschalter für die
Waffensicherung angebracht.
Zürich den 12.04.2006 Erwin Wiedmer
Geräteübersicht
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Die Frontseite

Die Rückseite
